Geschichte von Pertolzhofen

Um es gleich vorweg zu nehmen, das Alter des Ortes kann nicht eindeutig bestimmt werden. Indirekt ergeben sich jedoch aufgrund des Ortsnamens Hinweise auf das Alter der Ortschaft. Demnach dürfte die Gründung im 8 Jahrhundert stattgefunden haben. Diese erste Siedlung entwickelte sich von der rein agrarisch ausgerichteten Siedlungsform zum Herrschafts bzw. Hofmarksdorf. Ürsprünglich waren alle Bewohner des Dorfes als Bedienstete, Handwerker oder Gewerbetreibende direkt mit dem Herrschaftssitz verbunden, so dass sich eine gemischt bäuerlich – gewerblich – handwerkliche Struktur entwickelte. Pertolzhofen wird hierfür in Fachbüchern immer wieder als Beispiel angeführt. Genauere Hinweise findet man zum Alter des örtlichen Adelsgeschlecht. Hierzu steht auf einer Grabtafel in der Wallfahrtskirche: 1714 starb Friedrich Ludwig von und zu Pertolzhofen, der letzte des Namens und Geschlechts der Pertolzhofener, welche anno 1109 von den Sensheimischen abstammen. Diese Angaben werden durch eine Urkunde aus dem Jahr 1629 nochmals belegt. Der romanische Kirchturm wurde auch in dieser Zeit erbaut und bestätigt damit indirekt das Alter der Ortschaft bzw. des Adelsgeschlechts. Der imposante Turm mit seinen mächtigen Steinquadern ist somit das älteste Bauwerk in der Gemeinde Niedermurach. Zu einer besonderen, fast einzigartigen Rarität in der gesamten Oberpfalz zählt der romanische Taufstein in der Expositurkirche Pertolzhofen. Wichtigstes Kennzeichen einer Hofmark war die Niedergerichtsbarkeit. Ursprünglich ruhte sie nur auf jenen Gütern, worüber sie die Adeligen hergebracht hatten, und die Hofmark waren. Pfalzgraf Ludwig verlieh 1579 allen oberpfälzischen Landsassen dieses Recht 4. Hatte Pertolzhofen vor dieser Resolution die niedere Gerichtsbarkeit? 1567 wies Churfürst Friedrich die Hofmarksansprüche Gabriels von Bertoldshofen zurück: gestattet man auch Gabrieln von Bertlshoven der angemaßten Hofmark zu Bertlshoven nit, und weiß ermelter von Bertlshoven selbst, daß Ime und seinen Vorfahrn auf gleichmessig Ansuchen zu mehrmals die Beweisung uferlegt, die Er noch Sie nit geleistet, derwegen mein gnädigster Herr seine eigene Gericht, so sein Churfürstl. Gnaden yderzeit zu Bertlshoven hergebracht, nit begeben kann.

Diese Resolution belegt, dass Pertolzhofen seit Generationen behauptete, Hofmark zu sein. Warum bewiesen die Herrn von Bertoldshofen ihre Recht nicht? Eine schriftliche Verleihung der Hofmarksprivilegien in der Oberpfalz hat im 15. und frühen 16. Jahrhundert selten stattgefunden. In der Oberpfalz gab es kein Standesprivileg vor 1527. Da viele Adelige auch die Dorfobrigkeit an sich bringen konnten besaßen sie die Niedergerichtsbarkeit auf Gasse und Gemarkung. Diese Voraussetzungen waren für
Pertolzhofen gegeben. Die Bertoldshofer sind seit 1109 als Grundherrn nachweisbar. Sie waren in freieigenem Besitz des Dorfes. Es gab nie eine fremde Adelsherrschaft über einen Einwohner des Dorfes; alle waren Untertanen der Bertoldshofer Grundherrschaft. Es gehörte zur Praxis der kurpfälzischen Pfleger, Rechte der Landsassen anzuzweifeln, landesherrliche Ansprüche auszudehnen und Schwächen des Adels auszunützen. 1567 beschwerte sich die Ritterschaft, dass "die Pfleger und Ambtleut das Wort Hoffmarck dermassen disputieren, das denen vom Adel kein oder wenig Niedergerichtsbarkeit bleibe". Im Falle Pertolzhofens ist ein Vordringen der Macht des Amtes (Haus) Murach durchaus vorstellbar. Stefan Bertoldshofer, der sich als Pfleger zu Nabburg (1400), Pfleger zu Tennesberg (1404), Landrichter zu Lengenfeld (1408), Landrichter zu Amberg (1410) Richter zu Nabburg (1417), Richter zu Vohburg (1422) im Dienste seines Landesherrn eingesetzt hatte, erwarb 1419 auch den Adelssitz Fronhofen, 3 km von Pertolzhofen entfernt . Seine Nachkommen verlegten mehrere Jahrzehnte ihren Wohnsitz nach Fronhofen. Balthasar Bertoldshofer griff entscheidend im Kampf des Adels gegen den Bayernherzog Albrecht IV. ein. 1489 war er Gründungsmitglied des Löwenbundes in Cham. 1490 nahm König Wladislaw von Böhmen seine Besitzung Fronhof für 15 Jahre in seinen Schutz, am 6. Mai 1492 traf Balthasar Bertoldshofer als Abgesandter des Löwenbundes in Prag ein.

Der churfürstliche Rat Dietrich von Plieningen schrieb darüber an Herzog Albrecht: hab ich unter andern vermerkt wahrlichen Bericht, die Löwler haben um Hilfe geschrieben, und ist einer, genannt Balthasar Berchtoldshofer ein Landsaß der Pfalz, auch ein Löwler, von ihnen ausgefertigt gen Prag zu den Herrn von der Krone, Ursach zu melden, warum sie den nächsten Abschied nicht haben mögen annehme. Am 15. Mai 1492 sandte Balthasar dem Herzog von Bayern seinen Fehdebrief. Bei all diesen Vorgängen wurde stets nur der Wohnsitz des Löwlers, nicht sein übriger Besitz genannt oder ausdrücklich in den königlichen Schutz genommen. Die Löwler konnten schließlich der Machtausdehnung des Bayernherzogs gegenüber dem Adel Einhalt gebieten. Auch unter Joachim von Bertoldshofen blieb Fronhofen Wohnsitz. Joachim hatte fünf Söhne. Fronhofen übergab er seinem Sohn Raphael, Pertolzhofen erhielt Gabriel, Altendorf Sebastian. Erstmals 1545 wurde Pertolzhofen wieder als Wohnsitz eines Bertoldshofer von der Regierung bezeichnet. Aber Gabriel von Bertoldshofen hatte geringe Bewegungsfreiheit, er war aus uns unbekannten Gründen "verstrafft“ worden, verurteilt, daheimb zu bleiben in seinem Hauß; dem Bertoldshofer schreibt man nicht" (Einladungen zum Landtag). Erst 1563 wurde Gabriel von Bertoldshofen von der Regierung wieder angeschrieben. Weitere Rechte der Hofmark waren schon im 15. Jahrhundert das Braurecht und die Errichtung von Tafernen in der Hofmark, die sie mit eigenem Bier versorgten. Dabei kam es immer wieder zu Zusammenstößen mit den Städten und Märkten, die ihre eigenen Brau und Schenkstätten durch die Hofmarken gefährdet sahen. 1581 zerschlugen die Bürger von Oberviechtach das Braugeschirr zu Pullenried und schenkten das Bier auf dem Markt in Oberviechtach gratis aus. 1563 hatte der Leuchtenbergische Wirt in der Hofmark Niedermurach ein 4 eimeriges Faß Bier an den Wirt in Pertolzhofen verkauft, weil der dortige Bräumeister für Allerheiligen das notwendige Bier nicht fertiggebracht hatte.

Der Markt Oberviechtach beschwerte sich deshalb beim Pfleger des Amtes Murach, der den Wirt Schmid von Niedermurach mit 20 Gulden Strafe belegte: es sei gegen den Receß, einen Tropfen Bier außerhalb der Hofmark geschweige unter dem Reifen und fässerweis zu verschleißen. Der Markt Oberviechtach schickte drei Ratsherrn, begleitet vom Amtsverwalter und mehreren bewaffneten Amtsuntertanen nach Pertolzhofen, um das gelieferte Fass Bier zu beschlagnahmen. Es kam zuerst zu einem Streit im Schloss zwischen dem Hofmarksherrn und den Räten; dann wollten die Oberviechtacher das Fass mit Gewalt herausholen. Der Sohn des Hofmarksherrn Hans Sigmund hatte sich bewaffnet und besetzte die Wirtsstube, wo er durch ein Fenster mit einer "Khandel unter die umstehenden Amtsverwandten geworfen unzelichen grossen Muetwillens sich beflissen". Sein Vater Gabriel von Bertoldshofen und der anwesende Bertoldshofer auf Altendorf aber retteten das Fass Bier durch eine kühne Geiselnahme: sie zogen den Amtsverwandten Jörgen Thannschein vom Berg Murach zur Seite der Alte setzte ihm das Püchsenrohr mit überzogenem Hammer auf die Brust und drohte ihn zu erschießen, wenn die Oberviechtacher Gewalt anwenden sollten. So zogen die Oberviechtacher unverrichteter Dinge ab. 1534 wurde die Ausübung des Braurechts und der Taferne nur denen zugestanden, die es bisher innehatten; 1579 verbot Pfalzgraf Ludwig allen Adeligen, dieses Privileg in Anspruch zu nehmen, die es 1534 nicht besaßen Pertolzhofen hatte in dieser Zeit das Braurecht und die Taferne. Auf dem Landtag 1567 erging folgende churfürstliche Resolution: Uf Gabriel von Bertelshovens Beschwerdt, der Pfleger von Murach den Kindbetterin und Hirten gestatten soll, zu 12. 18. 24. Aimer Birs seiner Tafern zu Bertelshoven zu Nachtheil einzulegen, will seine Churfürstl. Gnaden Bevelch thun, das es hierinn, vermög der Mandaten, und itziger verfaßten Polizey und Landordnung gehalten werde . Es ist ein altes Entgegenkommen des Landesfürsten, den Kindbetterinnen zu genehmigen, Bier im eigenen Haus einzulegen (zur Stärkung der jungen Mutter und wohl auch zur Tauffeier). Das Ungeldbuch des Amtes (Haus-) Murach bestätigt ausdrücklich die Abrechnung des Bertlzhofers "Laut dem Zettl" 1559 wird damit die Bezeichnung "Hofmark" für Pertolzhofen auch amtlich nachgewiesen; den Rechtsverhältnissen entsprechend könnte das Recht der ehaften Taferne zu Pertolzhofen älter sein als das Marktrecht von Oberviechtach (1337). Das Salbuch Pertolzhofen 1732 und die Anzeige über Unterthanen, Gerechtigkeiten und Gelder 1791 belegen auch weiterhin Bräurechte und Taferne. Das Brauhaus Pertolzhofen wurde 1924 abgerissen, die Schloßschenke besteht heute noch. Als Rechte der Hofmarken werden neben der niederen Gerichtsbarkeit angegeben: alle Ehaften als Tafernen, Mühlen, Bad etc. und die Festsetzung der Handwerke. 1630 werden für die Hofmark Pertolzhofen folgende Handwerke und Ehafte belegt: eine Tafern 80 f, eine Schmidstatt 50 f, eine Badstuben 50 f, item ein Weberhäusl 20 f, ein Müll beim Schloß 400 f, Georg Lehner Schuster, Michael Leutheiß Schneider. Unter den letzten Bertoldshofern wurde zwischen 1661 und 1714 ein Waffenhammer in Pertolzhofen erbaut. Er wird im Salbuch 1732 unter dem Hofmarksuntertanen aufgezählt: "Obernberger besitzt die hiesige Waffenschmidt ohne habendes Feld oder Wiesmahd, hat auch kein ander Gründt sein aign, außer wo seine Gepäu, so weit diese umstangt stehen, und hat die vorige Herrschaft ein kleines Gartl hinzu zu kaufen gegeben wie auch ein Platzl zu einem Keller. Zinst 6 fl. Dagegen ist er aller Scharwerk und Einquartierung sowohl die Standquartier betreffend befreyt. Jedoch muß er der Herrschaft die bedürftigen Waffen umb einen leidlichen Wert zukommen lassen. Auch müssen sich alle Waffenschmieds Hausgenossen des Fischens und Krebsens im herrschaftlichen Bach, also auch seiner Wasser, Wöhr und Radstuben bei Straf 5 fl allerdings enthalten".

1591 kämpfte Hans Sigmund von Bertoldshofen gegen eine Geschäftsschädigung seiner Hofmarksschmiede. Die Bauern des Dorfes Wagnern, die verschiedenen Herrschaften unterstanden, kauften gemeinsam das Haus eines Hirten und richteten dort eine Schmiede ein. Über den Pfleger erreichte die ganze "gemain" einen Erbbrief. Der Zins von jährlich 2 ß 2 hl weißer Münz samt einer Fastnachtshenne sollte an die Kurpfalz gehen; Mannschaft, Reiß, Steuer und Scharwerk standen ebenfalls dem Pfleger zu. Als wirklich ein Schmied in Wagnern aufzog, beschwerte sich Hans Sigmund von Bertoldshofen beim Landesherrn: Das ist wider alles Herkommen, da seit Menschengedenken in Wagnern keine Schmiede gewesen. Dies läuft auch einer Resolution des Pfalzgrafen Ludwig zuwider und ist mir und meiner Hofmarck zum höchsten beschwerlich und nachteilig. Die Stände forderten in dieser Zeit, Mandate sollten festlegen, dass sich keine Handwerkerin Dörfern außerhalb der Hofmarken niederlassen. Die Ansiedlung von Handwerkern sollte außerhalb der Städte nur in Hofmarken erlaubt sein. In der folgenden Auseinandersetzung wurde das Hofmarksrecht des Bertoldshofers weder von der Regierung, noch vom Pfleger in Frage gestellt. Der Bertoldshofer bekam aber auch nicht recht, weil die Schmiede auf pfälzischem Grund und mit Genehmigung der Regierung errichtet worden war. Hans Sigmund verbot zuerst seinen 2 Untertanen in Wagnern und den 3 Niedermurachischen Untertanen, über die er als Vormund des dortigen unerwachsenenHofmarkserben Macht hatte, die Schmiede in Wagnern zu besuchen. "Das muß man geschehen lassen", meinte der Pfleger. Doch 1592 überschritt der Bertoldshofer seine Befugnisse: er ritt selbst nach Wagnern, drang in Abwesenheit des Schmieds in dessen Werkstatt ein und "hat mit dem Dolchen freventlich muetwilliger weis den Blasbalg durchstochen." Die Regierung verlangte vom Bertoldshofer, den auf churfürstlichem Grund und Boden angerichteten Schaden zu ersetzen und zitierte Hans Sigmund zur Verantwortung vor die Regierung in Amberg.

Die Tafern in Pertolzhofen durfte laut Salbuch 1732 auch die Flaischbank genießen und mußte von jedem geschlachteten Rind die Zunge der Herrschaft geben. Auch die Fragnerund Beckensgerechtigkeit ist auf diesem Hause belegt. Im Ort bestand auch eine Ziegelhütte. Im Salbuch 1732 heißt es: Item ober dem Schloß uff der Tratt ist ein Uhralt berechtigtes Ziegl Heisl unweit des Herrschaftlichen so genannten Hirtenackers. Diese Ziegelhütte ist auch in die Hand-Scharwerk einbezogen: "Wenn an dem Schloß oder Hofgepäu etwas gebaut wird, müssen die sämtlich Unterthanen dahin ohne Geld die Handt-Scharwerk verrichten. Wobey auch die Sommer- und Winterkeller, herrschaftliche Bedientenhäuser, Bräuhaus und Ziegelhütte zu verstehen . Zur Hofmark gehörten zwei Mühlen die Schwabenmühle (ein Achtel Hof mit einer reellen Mühlgerechtsame, die Schwabenmühl genannt) Zinst 3 f 15 kr wegen Schweinemastung, und 3 f wegen Handscharwerkdienst und zehentfrei. Grundzinsbar zur Kirche Pertolzhofen die Herrenmühle (ein Sechzehntelhof samt reeller Mühlengerechtsame, die Herrenmühl genannt). 1732: auch sind die 2 Müller und der Wirt zum Handscharwerk beim Schloßbau verpflichtet. Eine Mühle ist bereits 1465 belegt. Für die Haltung eines Kaplans in Niedermurach, der die Filiale Pertolzhofen versehen soll, mußten jährlich vier Pfund Regensburger Silberpfennige aufgebracht werden (wie von alters Brauch!) Die Zechleute von Pertolzhofen hoben den Zins von 1 1/2 Höfen zu Schönthann, einem Hof zu Wagnern und der Mühle zu Pertolzhofen ein.

Die Badstube ist für Pertolzhofen zwischen 1563 und 1802 belegt. 1579 erhielten alle Landsassen der Kurpfalz das Recht, dass sie auf den Landgerichtischen Gründen einen Vogelherd zurichten, einen Hasen, Fuchs, Rebhuhn fahen, und einen Antvogel auf einem Weyer zu Besserung ihrer Tafel schießen und also den kleinen Wildbann zu rechter Zeit, "weydmännisch, bescheidentlich zu gebrauchen Macht haben".Die niedrige Jagd der Bertoldshofer wird 1587 sichtbar.1607 kam es zwischen Hans Thomas von Bertoldshofen und seinen Bauern im Dorfe Wagnern zu einem Streit wegen der Scharwerk und harter Bestrafung eines unbotmäßigen Untertanen durch den Hofmarksherrn. In diesem Streit spielten auch die Jagdrechte des Bertoldshofers eine Rolle. Er beklagte sich, daß die Bauern von Wagnern zum jagen nur ihre Buben schicken. Die Bauern ihrerseits beschwerten sich bei der Regierung, weil Hans Thomas ihnen wieder auferlegte, Jagdhunde für ihn zu halten. Beide Parteien verwiesen auf einen Receß von 1587. Damals war den Bauern von Wagnern das Halten von Jagdhunden für den Bertoldshofer erlassen worden . 1798 schrieb das Bezirksamt Neunburg v.W.: Die Pertolzhofer haben die kleine Jagd im Hüttenschlag, welches ein von uralten Zeiten eingewiesener Jagdbogen ist. Bis 1807 mußten eine Reihe von Bauern für den Hofmarksherrn je ein Achtel Hundshafer als jährliche Abgabe zahlen (1 Bauer aus Vokkendorf, 1 aus Rottendorf, 5 aus Wagnern, je einer aus Braunsried und Höflarn).

Die Bertoldshofer hatten auch das Patronatsrecht über die Wallfahrtskirche: Im Dorf allda befindet sich ein Marianisch Filial Gotts Hauß, dann ein von vorgemelter Herrschaft mither neuerpaute Capelle des hl. Johann Nepomuk, warbey ein hiesiger Herrschaft das ius patronatus und all andere Vorfallenheiten, dann alljährlich aufnamb der Kirchenrechnungen zu gaudieren hat. Diese Rechte sind bis ins Mittelalter zurückzuverfolgen. Ein Vorfall im Dorfe Wagnern zeigt die Stellung des Bertoldshofers als Hofmarksherrn. Pfleger Zwick vom Amt Murach schrieb, er habe im Amt Murach ein Dorf, Wagnern genannt, in welchem er von Amts halben alle Hohe Gerichtsbarkeit, die Hauptmannschaft, Hirtenstab und Gemeinherrschaft sambt sechs Untertanen zum Amt gehörig besitze. Hans Sigmund von Bertoldshofen hat zween, Otto von Ebleben (auf Thannstein) einen, die Niedermurachische Vormundschaft drei Huben und auf denselben über ihre Untertanen laut Resolution allein die Niedergerichtsbarkeit! Ein Pfälzer Untertan hatte nun je 1 1/2 Tagwerk Wiesen und Acker eingezäunt und so der gemeinsamen Viehweide auf der Brache entzogen. Die gesamte Gemain strengte daher beim Pfleger einen Rechtsstreit an, und als dieser zu langsam vorankam, zogen die Bauern am 5. Okt. 1590 hinaus und "haben den Gartenzaun zerschlagen und verwüstet". Pfleger Zwick verklagte sie deshalb wegen Landfriedensbruch.

Die Hofmarkischen suchten und fanden Schutz bei Hans Sigmund von Bertoldshofen (er war auch Vormund des Niedermurachers). Zum Gerichtstermin erschienen nur die pfälzischen Amtsangehörigen. Zwick beschwerte sich bei der Regierung, die Hofmarksherrn seien angeschrieben worden, hätten aber ihre Bauern nicht gestellt. Der Pfleger fragte beim Vitzthum an, ob er die Ubeltäter mit Gewalt herbeischaffen solle. Der Kanzler antwortete, er solle die Hofmarksherrn nochmals ersuchen, sie zu stellen. Der Bertoldshofer konnte schließlich durchsetzen, dass die Bauern von Wagnern nicht bestraft wurden. Nach einem Augenschein kam ein Kompromiß zustande: der Amtsverwandte durfte seinen Sambgarten wieder einzäunen, mußte ihn jedoch alle drei Jahre während der Brache öffnen. Dieser Rechtsstreit von 1590 zeigt eindeutig, dass Pertolzhofen Hofmark war und das Recht der Ergreifung von Delinquenten, der ersten Kognition und der triduae detentionis hatte. Hans Sigmund von Bertholdshofen hätte als Hofmarksherr die Delinquenten ergreifen und ausliefern müssen, er nahm die erste Kognition vor und erkannte den Tatbestand des Landfriedensbruchs nicht an. Von 1109 bis 1732 besaßen die Herren von Pertolzhofen Schloß und Dorf. Johanna Sybilla von und zu Bertoldshofen, die Tochter des letzten Herrn von Bertoldshofen brachte das Gut ihrem Gemahl Freidrich von Satzenhofen. 1732 erbte es dessen Sohn Graf Carl Martin Ferdinand von Satzenhofen und Brod, Churkölnischer Generalmajor. Letzter Verwalter war bis Michael von Gradl. Die niedere Gerichtsbarkeit wurde von einem Hofmarksrichter ausgeübt. Am 21.Juli 1801 war der Geburtstag der politischen Gemeinde Pertolzhofen. Die Hofmarksherrschaft war nach fast 700 Jahren zu Ende.